macht fehler!

Der 11jährige Schüler sollte einen Aufsatz schreiben, das Thema war „Tiere im Zoo“. Sofort hatte er mehrere Szenarien im Kopf, in dem ein riesiger Elefant die Hauptrolle spielte und den anderen Tieren Vorträge hielt.

Dieser Elefant wollte Chef sein und bleiben, aber es gab da auch eine andere Seite in ihm, die gerne auf Blumenwiesen spazierte und Schmetterlingen nachschaute. Alles endete damit, dass die dominante Seite Überhand gewann und die andere Seite verspeiste. Für diesen Aufsatz gab es trotz hervorragender Formulierungen und verschwindend geringer Rechtschreibfehler als Note eine 5.

So erging es meinem Sohn und ich musste die Note als Elternteil unterschreiben. Neben meine Unterschrift notierte ich: „Aufsatz ist sehr gelungen und kreativ. Ohne Kreativität keine Zukunft und ohne Zukunft kein Leben! Ich wünsche mir mehr kreative Lehrer.“

Mein erstes Zeugnis beweist: ich stand am Anfang, unbefangen und lernen machte noch Spaß.

 

missmenke zeugnis

 

das alte system

Sehr schnell kann man Opfer eines Schulsystems werden,  in dem es ausschließlich um gute Noten in Hauptfächern geht. Aus eigener Erfahrung als Schülerin und aus meiner Erfahrung als Mutter von zwei Söhnen weiß ich, dass im herkömmlichen Schulalltag oftmals das Eingehen auf die Individualität des jeweiligen Schülers fehlt.

Ich gehe noch einen Schritt weiter: Individualität ist unerwünscht. Schüler, die sich konform verhalten und gute Noten schreiben, stressen Lehrer und Mitschüler weniger.

Mein Zeugnis in der zweiten Klasse sah deshalb schon so aus (und kränkte mich damals 7jähriges Mädchen sehr):

 

missmenke zeugnis 2

 

die neuen möglichkeiten

Hier ist ein sehr unterhaltsamer Vortrag (mit deutschen Untertiteln) von Ken Robinson, der sich für mehr KREATIVITÄT in der Bildung ausspricht.

Welche Aussage mir am besten gefällt: macht FEHLER und stigmatisiert diese nicht (wie im „normalen“ Schulsystem üblich). Denn nur wer Fehler macht, kann lernen und sich weiter entwickeln. Viel Spaß beim Anschauen!

 

 

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7 Antworten auf „macht fehler!“

  1. Liebe Martina und Sohn,
    ich kenne das mit Aufsätzen und ihrer interpretation von Lehrern. Bei mir war es so ähnlich das ich auch eine 5 hatte weil nach Meinung des Lehrers der Aufsatz am Thema vorbei war. Es ging damals immer die Beste, eine mittel Gute und eine Schlechte Arbeit zum Rektor, wie der zufall es wollte war meine Arbeit auch dabei. Der Rektor gab mir eine 2! Die Begründung er habe selten soviel gelacht und es passt zum Thema…. naja was das heißen mag! Aufsätze sind meiner meinung nach (ich bin selber an einer Schule tätig) interpretations Sache des jeweiligen Lehrers. Leider!!!! Jeder Aufsatz ist für sich was besonderes und spiegelt die kreativität jedem einzelden wieder… in diesem Sinne
    LG
    Michaela

  2. Hallo 🙂
    die Probleme mit dem Schulsystem kenne ich sehr gut.Meine Schulzeit war schrecklich und hätte ich nicht so einen hohen IQ gehabt ,wäre ich in der Sonderschule gelandet. Und nur,wegen meines schwierigen Elternhaus. Ich hatte Glück,aber viele Kinder haben dieses nicht….dabei sind wir auf Phantasie so angewiesen,nur so entstehen neue Produkte u.u.u. Eltern kennen ihre Kinder viel besser und Lehrer haben ihre eigenen Vorurteile und Pläne im Kopf,über den Tellerrand zu sehen funktioniert einfach nicht. Nicht umsonst sind so viele Wissenschaftler „sitzen geblieben“ 🙂

  3. Man könnte (!) aus der Sicht des Advocatus Diaboli in´s Feld führen, dass die Schule als solche bzw. der Fachunterricht „X“ mit klaren Aufgaben und Lernzielen nicht der ideale Platz ist, um Kreativität auszuleben. Wollen wir einen „kreativen“ Steuerberater, der uns um unsere Erstattung bringt? Wollen wir einen „kreativen“ Entsorgungsfachmann, der heute mal nur den Hausmüll aller ungeraden Hausnummern abholt? Wollen wir einen „kreativen“ Staatsmann, der sich zwar nicht an moralische Grundsätze und/oder Gesetze hält, sich aber „kreativ“ auslebt (und dabei sein demokratisches Mandat außer Acht lässt). Ich überspitze hier natürlich bewusst, aber wie wurde so treffend in Prediger Kapitel 3, Vers 1 ff. (Elberfelder-Bibel) formuliert: „Für alles gibt es eine [bestimmte] Stunde. Und für jedes Vorhaben […] eine Zeit! Eine Zeit […] fürs Lachen und eine Zeit [fürs Arbeiten]!“
    Natürlich muss man den Kinden diese „Zeit“ (i.S.v. Freiraum und Gedankenaustausch) auch geben. Was schwieriger ist, als sie nach der Schule vor Barbara Salesch abzustellen.

  4. Du sprichst mir aus der Seele! Meiner Meinung nach sollten weniger die Fehler, sondern viel mehr Kreativität und Einsatz bewertet werden! Übrigens auch auf Seiten der Lehrer!

  5. Oh man, … ich bin keine Lehrerin, ich habe keine Kinder, ich habe den Aufsatz nicht gelesen, ich weiß nicht, was erwartet wurde und so weiter … aber ich will dir sagen an was mich dein Artikel erinnert hat:
    Als ich in der dritten oder vierten Klasse war, hatten wir getrennten Kunstunterricht. Die andere Hälfte der Klasse sollte mit Wasserfarbe auf den Din A3-Zeichenblock eine Schulhofzene malen. Die Überschrift war in etwa „Ich mit meinen beiden besten Freunden beim Seilchenspringen“. Die Kunstlehrerin gab einem Schüler (in der Grundschule, im Kunstunterricht) eine Fünf für sein Bild. Er hatte das Thema ihrer Ansicht nach nicht getroffen. Was hat er gezeichnet? Sich selbst beim Seilchenspringen. Das Springseil wurde dabei nicht von zwei anderen Kindern geschlagen, sondern war mit einer Maschine verbunden. Auf der einen Seite war es an einem Poller oder so angebracht, auf der anderen schlug ein Roboter das Seil … Ich denke, dass jeder (erwachsene) Mensch daraus verschiedenste Schlüsse ziehen kann. Zum einen hat er durchaus das Thema umgesetzt, nur halt nicht wie erwartet. Das Bild gab damals einen riesigen Einblick in seine Psyche (Einsamkeit und so. Ich fasse es gar nicht, dass die Lehrerin so blind/denkfaul/handlungsfaul war. Er hatte einfach keine Freunde, die er als die Besten bezeichnen konnte/wollte. Und er war immer etwas auffällig.) und davon abgesehen spiegelte es sein Interesse für Technik und Physik und kreativ war es auch. Was erwartet man mehr von einem Grundschüler? Ich fand die Benotung schon damals sehr, sehr unfair und ich muss noch heute manchmal daran denken. Ich bin selbst sehr kreativ (würde ich so sagen). Und ich habe in der Schule hin und wieder ähnliche (wenn auch nicht so krasse) Benotungen selber erlebt. Und ich habe auch erlebt, dass viele Lehrer einfach „gebauchpinselt“ werden wollen. Mich hat das damals sehr gefrustet und in meiner Kreativität eingeschränkt. Ich weiß, dass Lehrer meistens auch nur Unterricht nach Plan machen (können), aber ich befürchte so langsam, dass dadurch gewisse emotionale Eigenschaften auf der Strecke bleiben. Ich habe keine Patentlösung für das Problem. Aber ich denke Fehler sollten gemacht werden (dürfen) und genauer definiert werden. Ich glaube in der Mathematik zum Beispiel oder in der Gramatik ist ein Fehler viel klarer zu definieren als zum Beispiel in diesen freien künstlerischen Themenfeldern wie dem freien Schreiben oder dem Kunstunterricht. Vielleicht könnte man eine Art „Mantelunterricht“ mit Richtig/Falsch-Fächern, denen die wirklich essentiell sind, einführen und diese dann nach einem anderen Schema bewerten als eben die kreativen Fächer … ?

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